Terry Richardson

Terryworld

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(Taschen Verlag)

Es ist keine Einladung, sondern eine Feststellung. Es ist kein "Welcome to Terryworld", sondern einfach nur "Terryworld". Es ist seine Welt, oder zumindest seine Sichtweise, sein Fokus, wie er die Welt sieht. Terry Richardson ist das selbsternannte Enfant Terrible der Modefotographie, seine Bilder zierten schon Vogue und andere Hochglanzmagazine - und er propagiert in seinen Bildern genau das Gegenteil. Bei ihm ist alles Genital, Geschlechtsorgane, Sexus. Der Schmutz, der bürgerliche Abfall, unterdrücktes Triebbewusstsein.

Er holt alles raus, zeigt keine Scheu, wirkt dabei aber genauso selbstdarstellerisch wie seine Kollegen. Es ist dieselbe Ebene, nur die Mittel, die Motive unterscheiden sich. Hier werden alle nackt, zeigen sich in eigentlich intimen Situationen. Tabus werden gebrochen, der Modewelt wird ihr schöner Schein jedoch nur auf der Oberfläche genommen - denn immer noch befinden wir uns im Märchenland der Celebrities: Pulb und Trash wird einfach zum angesagten Chic erhoben, das Schwanzmessen zum Fashion-Statement.

Ein Pervertieren der Motive und doch das Erhalten des Systems. Einige werden dennoch bei seinen Bildern schockiert sein - und man merkt Terry Richardson die Freude daran an, weil er es dennoch darf, kaum auf Widerstand stößt. Porn als anerkanntes Kunstartefakt. Und dann tauchen doch immer wieder Amerikana in seinen Bilder auf, gesellschaftliche Statussymbole: Das Bier auf dem weiblichen nackten Hintern oder die typisch amerikanischen Locations. Aber immer durch den Terry-Filter.

Und dann: Terry Richardson in einem Bärenkostüm, John Irving spricht aus diesem Bild. Was bleibt ist der Beweis, das Tabubrechen heute en Vogue ist und Richardson unverschämt mit der pornographischen Reizüberflutung spielen kann. Das ist nicht immer geschmackssicher, dafür aber voller Hedonismus und Virilität.

Martin Kreischer