STAHLWERK 9

RetroMekanik

Steinklang 2010, CD, 11 Tracks, in DVD Hülle

Reinhard Hopfe ist seit inzwischen 15 Jahren ein fester Bestandteil der europäischen Industrial/Noise Szenekultur. Vor allem mit STAHLWERK 9 hatte er ein nicht immer brillantes, aber doch meist angenehm unaufdringliches Projekt etabliert, das auch live immer wieder durch souveräne Auftritte und charmantes Auftreten geffiel. Glaubt man der Überschrift der offiziellen Myspace-Seite, so wurde das Projekt 2009 beendet. Nach über einer Dekade wirkt dieser Schritt eigentlich nur konsequent, man sollte sich als Künstler immer verabschieden, bevor man zum uninspirierten oder schlimmsten Falls peinlichen Selbstzitat wird.

Als Abschied erscheint nun bei Steinklang eine mit 11 Tracks und 67 Minuten Spielzeit angenehm lange Zusammenstellung aus der zweiten Hälfte des künstlerischen Schaffen. Die einzelnen Stücke sind zwischen 1999 und 2007 entstanden, und wirken deutlich roher und brutaler als Vieles, was man von diesem Künstler bisher zu hören bekam. Das mag zum einen daran liegen, dass zwei Tracks live aufgenommen wurden, dies im Übrigen in hervorragender Qualität, zum anderen vielleicht daran, dass hier Stücke zusammengetragen wurden, die vielleicht gerade wegen des teils hochagressiven Gestus nicht auf die regulären Veröffentlichungen gepaßt hätten. Wie es mit Compilations so ist, ist auch hier die Qualität etwas schwankend. So sind Stücke wie „Konzept Stadtguerilla“ schlicht großartig, während andere manchmal etwas gezwungen und unaufregend sind. Die technische Qualität ist dabei allerdings gleichbleibend gut, formal kann man hier kaum negative Kritik üben. Inhaltlich ist es selbstverständlich typisch für dieses Projekt, dass es sich durch die abscheulicheren Kapitel der Geschichte hangelt, mit einer absolut klassischen und in diesem Fall auch einfach traditionellen Attitüde, die heutzutage etwas überstrapaziert wirkt. Hopfe bleibt allerdings immer ambivalent und beschränkt sich in seinen Themen auch nicht ausschließlich auf das dritte Reich und sein Wirken, sondern behandelt Themen des gesamten 20. Jahrhunderts in markiger Aufmachung . Manchmal verliert sich Hopfe auf seinen Veröffentlichungen etwas in seinen Konzepten, durch den typisch heterogenen Charakter einer Compilation bleibt RetroMekanik allerdings spannend.

Eine recht gute Veröffentlichung, da wirkt es regelrecht tragisch, dass es die vielleicht letzte ist.

Daniel Novak