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SEKTOR 304
SOUL CLEANSING

Malignant Records 2010, CD, 9 Tracks, im Digipack
Will man die Aufmerksamkeit der Szene erhalten so gibt
man heute seiner Musik den Stempel „old school“. Meist verbirgt
sich dahinter altbackenes, reaktionäres, also schlicht langweiliges
Material. Nur sehr wenige Künstler verstehen es klassisch und trotzdem
spannend zu klingen, Diutesc zum Beispiel, doch hatte Herr Freisler bei
Genocide Organ auch genug Zeit zu üben. Die beiden Portugiesen von
Sektor 304 sind bisher nur selten und wenig nachhaltig in Erscheinung
getreten, mit der CD „Soul Cleansing“ veröffentlichen
sie ihr Projekt-Debut auf dem renommierten Malignant Records Label.
Das erste große Lob muss hier eindeutig dem Grafiker
gelten, selten bekommt man in diesem Bereich so geschmackvoll designte
Tonträger zu sehen. Kräftiges Rot auf schwarzem Grund, und dazu
eine wunderbar morbid ästhetische Collage aus Schädeln, Schlangen,
Sägeblättern und atavistischen Gesichtsbemalungen.
Auch die Musik macht auffallend schnell und auch bisweilen
sehr eindrucksvoll klar, dass hier das Prädikat „old school“
verwendet wird, um sich tief vor den alten Herren des Industrial zu verbeugen,
und gleichzeitig zwar nicht zwingend neuartige, aber doch frische Strukturen
vorzuweisen. Vom ersten Stück an rumpeln sich die Musiker durch über
30 Jahre „Industrial Culture“, es wird auf Ölfässern
getrommelt, mit Bohrmaschinen geschnarrt und recht eindringlich vor sich
hin gebrüllt. Nichts davon ist neu, und trotzdem tut es ab und zu
gut, ein wenig an die Klassiker erinnert zu werden. Angenehmerweise weist
diese CD auch keine Einbrüche in Sachen Qualität auf, doch hier
zeigt sich auch die Crux des Ganzen: Es wird auf sehr ansprechendem Niveau
gelärmt, aber ohne Ecken und Kanten aufzuweisen. So bleibt nicht
viel von der Musik im Gedächtnis, sobald die CD verklungen ist. Es
drängt sich bei mehrmaligem Hören ein wenig das Gefühl
auf, dass hier zu viel Wert auf Stilistik und weniger auf Substanz gelegt
wurde. Es bietet sich bei dieser Veröffentlichung auch kaum ein Ansatzpunkt
zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung an, alles wirkt ein wenig oberflächlich
und blank gezogen. So ist der emotionale Aspekt, der die ganz großen
Meister von ihren Epigonen unterscheidet, viel zu zahm und unterentwickelt
ist. Insofern kann man hier verhalten von einer kleinen Enttäuschung
sprechen, da man anfangs noch hellauf begeistert ist, um dann zu merken,
dass der Geschmack immer fader wird.
Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um eine deutlich
überdurchschnittlich gute Veröffentlichung, die auch durchaus
neugierig macht, was die beiden Herren unter diesem Namen noch so veröffentlichen
werden. Industrial als charmanter Krawallrock, auch ganz angenehm.
Daniel Novak
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