Jacques Zimmermann

Sade et le Cinéma

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La Musardine Paris 2010, 244 S., ISBN: 978-2842714888, Preis: 21 Euro

Das Leben und Werk des berühmt-berüchtigten französischen Schriftstellers Marquis de Sade hat in sehr unterschiedlicher Art und Weise seinen Niederschlag im Medium des Films gefunden.

Der Surrealist Luis Buñuel nannte ihn in seinem autobiographischen Text „Mein letzter Seufzer“ als eine seiner wichtigsten philosophischen Einflüsse, während sein italienischer Kollege Jess Franco lediglich den Ruf als pornographischen Autor ausnutzend gleich elf Filme in Anlehnung an sein œuvre drehte. Beiden Regisseuren widmet der französische Filmkritiker und ehemalige Chefredakteur der Revue de Cinema in seiner umfangreichen Darstellung „Sade et le cinéma“, die im September vergangenen Jahres in Frankreich bei La Musardine erschien, ein eigenes Kapitel. Er füllt mit seinem Buch eine klaffende Lücke der Film- und Kulturwissenschaft – die Erforschung der cineatischen de Sade-Rezeption. Neben zahlreichen Einzelstudien über bestimmte Filme und Verfilmungen – vor allem über Pasolinis „Salò – Die 120 Tage von Sodom“ oder die Peter Brooks-Adoption von Peter Weiss' „Marat / Sade“ - lagen bislang nur vereinzelt Überblicksuntersuchungen von J. A. Cherasses filmographie (Obliques 12/13, 1977) und in Form von Schwerpunktausgaben der Filmzeitschriften La Revue de Cinema (1973) und Cinefiles (1999) vor.

Ausgehend von einem kurzen biographischen Abriss über das Leben des Marquis de Sade stellt Jacques Zimmer sehr kompetent in drei Kapiteln („Chronique et mythologues“, „Biographies“, „Adaptions“) die Filme vor, analysiert und kontextualisiert sie, bevor er jeweils einen eigen Abschnitt für Buñuel („Buñuel, Réalisateur sadien“) und den modernen Sade („Sade aujourd'hui“) einräumt. Innerhalb des zuletzt genannten Kapitels widmet er sich dabei vorrangig auch mit der Zensurgeschichte der de Sadeschen Adoptionen.

Innerhalb seiner Analysen baut er sowohl zeitgenössische Pressestimme, O-Töne der Regisseure und Hintergrundsinformationen ein und unternimmt den Versuch, die dargestellten Ereignisse und Figuren mit dem jeweiligen Werken und realen Ereignissen abzugleichen. Im letzteren Bereich zeigen sich kleinere Schwächen des Buches – Jacques Zimmer ist ein sehr guter Kenner des Mediums Film, aber er ist kein originärer „Sadologe“. Hiervon zeugt u.a. die von ihm verwendete Sekundärliteratur oder auch, dass er einzelne philosophische Facetten bei den analysierten Filmen ignoriert. Zudem scheint er ein, zwei Filme wie z.B. „Sílení“ (Tschechien 2005) im Eifer des Gefechts übersehen zu haben.

Nichts desto trotz hat er mit seiner kompetenten Analyse, in der er einen enormen Rechercheeifer gesteckt hat, wie die vielen Querverweise und die sehr lange Filmliste beweisen, einen wichtigen Beitrag für die de Sade-Forschung geliefert und ein enzyklopädisches Standardwerk geschrieben. Illustriert ist das Werk mit über 300 Schwarz-Weiß- und Farbfotos.

Maurice Schuhmann