Cold Spring Special

von Martin Kreischer

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KREUZWEG OST

Edelrost

(Cold Spring 2005) CD 9 Tracks

Military als Manierismus. Funktionierte der militärisch geprägte Post-Industrial von Toroidh noch als Kritik und Beschwörung einer kriegslüsternen und militäraffinen Ära, so bleibt bei vielen Epigonen meist nur noch ein Ästhetizismus ohne großen sinnlichen Überbau übrig. So auch bei Kreuzweg Ost, dem Projekt des Summoning-Kopfs und ehemaligen Abigor-Mitglieds Michael Gregor aka Silenius. Wurde das Debüt "Iron Avantgarde" noch von Pugent Stench-Musiker Martin Schirenc mitgeprägt und hatte eine ebenso chaotische wie verstörende Note, wirkt "Edelrost" gestraffter, durchdachter und konsistenter. Eine Arsenal von Film-Samples wird oft arbiträr, aber verschmitzt zusammengeschnitten, es zeigt sich hier die musikalische Seite der Formation im Gegensatz zum reichlich assoziativen Debüt, denn die Samples sind nicht wie bei vielen ähnlich gelagerten Formationen reines Beiwerk sondern fungieren als Gesangsersatz. So verschmelzen Samples und militärische Rhythmen, kombiniert mit den bombastischen Keyboards Summoning'scher-Prägung. "Edelrost" ist weit entfernt von einem reflexiven Umgang mit der heraufbeschworenen Zeit, dennoch hat das Album Stil und ist als ebenso augenzwinkerndes wie atmosphärisches Werk zu verstehen, das jedoch keine Tiefe oder intellektuelle Herausforderung bietet.

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H.E.R.R.

The Winter of Constantinople

(Cold Spring 2005) CD 9 Tracks

Der Militarismus vieler Post-Industrial Formationen dient nicht nur zum Beschwören apokalyptischer Kriegsszenarien, sondern bietet einigen auch eine willkommen Plattform zum Hervorrufen heroischer völkischer Ideologien. H.E.R.R. haben mit ihrem Debüt "Es regnet das Leben heraus" noch eine relativ neutrale Position bezogen, zeigen auf ihrem Zweitwerk "The Winter of Constantinople" nicht nur musikalisch eine Wandlung, sondern auch in Bezug auf ihre politische Position. Mit dem neuen Mitglied Troy Southgate, einem ehemaligen NF-Schläger und selbsternannten National-Anarchisten und Anspielungen auf das 1000jährige römische Reich ist nun recht offen gelegt, welche Marschrichtung sich die Rhythmen der Holländer verschrieben haben. In verbissener Xenophobie sieht man überall die Feinde vor den Toren lauen ("Enemy at the Gates") zumeist stürmen diese aus dem Osten auf das zu beschützende Gut ("Hagia Sophia"), welches von einer kleinen wehrhaften völkischen Einheit verteidigt wird. Ein naives und antimodernes Weltbild mit totalitären Tendenzen. Auch musikalische haben H.E.R.R. kaum noch etwas der momentanen Militaria-NeoKlassik hinzuzufügen. Besonders die verhallten Sprechpassagen von Troy Southgate fügen sich nicht in den Klang aus bombastischen klassischen Samples, Celli, Klavier und natürlich viel Snare und Pauken-Percussions, wirken wie aufgepfropft auf das musikalische Werk, die Ideologie wird über die Musik gestellt. H.E.R.R. gehören damit zu den Vertretern ihres Genres, die nicht mehr nur ein symbolisches Versteckspiel oder gar das Nivellieren der Zeichen anstreben, sondern stumpf eine Haltung demonstrieren, die sich als fatal für das sie selbst und den Post-Industrial erweisen könnte, verweist doch nun alles auf einen direkten politischen und ideologischen Bezug, die Zeichen wurden ihrem ursprünglichen Zweck wieder zugeführt.

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KRIEGSFALL-U

Kriegsfall-U

(Cold Spring 2005) CD 7 Tracks

Die Ungarn von Kriegsfall-U lassen sich nur schwer in die Karte schauen. Sprachliche Hürden machen ein thematisches Einordnen schwer, allerdings wirkt der militärische Unterton in der fremden Sprache umso homogener. Allerdings bleiben Kriegsfall-U etwas blass, das selbst betitelte Debüt kann nicht wirklich über die gesamte Länge überzeugen und krankt schnell an Beliebigkeit. Zu oft hat man ähnliches gehört, besonders aus der schwedischen Ecke in Form von Sophia oder Karjalan Sissit. Wuchtige und schwere Rhythmen, sakrale Gesänge, verhallte Samples und Distorsions - wenig Neues gibt es für den Kenner zu entdecken. So sind Kriegsfall-U ein Projekt für Liebhaber, die keine Formation des Genre auslassen wollen.

Martin Kreischer